Der Faden Teil 2) Entwurf

Ich habe nachgedacht.“, sagte der Bär.
„Ach.“, antwortete der Drache.
„Worüber?“
„Ich habe nachgedacht über den roten Faden, dem du folgst.“ erklärte der Bär.
Sie saßen an einem Tisch unter einem schattigen Baum und tranken Kaffee. Der Drache rührte den Löffel in seiner Tasse um
Seinem erstaunten Gesicht war deutlich abzulesen, wie schwer es ihm fiel zu glauben, dass sich ein Bär über etwas anderes den Kopf zerbrach, als über seine Honigtöpfe.
„Es ist ein langer Weg, an dessen anderem Ende eine Seele wartet, die für mich bestimmt ist.“, sagte er
Der Bär biss sich auf die Lippen
Er suchte nach den richtigen Worten.
„Es ist nicht meine Seele, die du suchst.“ , stotterte es aus ihm heraus
Der Drache lächelte ihn an.
„Das kann nicht sein.“, seufzte er.
Es ist eine Drachenlegende. Und Bären und Drachen suchen einander nicht. Aber du wirst als Erinnerung in mir leuchten.
Der Bär nickte
„Darüber habe ich lange nachgedacht“
Wie zum Beweis, dass ein Bär imstande war, auch über etwas anderes nachzudenken als über Honigtöpfe, griff er in seine Hosentasche und legte eine dicke Rolle Zwirn auf den Tisch.
Bevor der Drache begriff wie ihm geschah, hatte ihm der Bär ein Ende des Fadens um das Handgelenk gebunden.
„Warte auf mich, bis ich zurückkomme.“
Mit diesen Worten erhob sich der Bär von seinem Platz und eilte davon. Bei jedem Schritt rollte ein Stück Zwirn vom der Rolle, die er in seinen Händen hielt und fiel auf die Straße.
Bald verlor sich seine Gestalt im Straßengewirr. Der Drache blieb allein am Tisch zurück. Es vergingen endlose Minuten, in denen sich nirgendwo ein Lebenszeichen von dem Bären fand. Einzig der dünne Zwirn, der auf der Straße lag, wies in die Richtung, in die er verschwunden war
Der Kaffee war bereits kalt geworden als er sich von der anderen der Straße wieder dem Tisch näherte, an dem der Drache bereits ungeduldig auf die Uhr blickte.
Er musste durch die halbe Stadt gelaufen sein.
Als er auf seinem Stuhl Platz nahm, spulte sich das letzte Stück Zwirn von der Rolle.
Der Bär nahm das lose Ende des Fadens und band es um das andere Handgelenk des Drachen.
„Was soll das bedeuten?“ fauchte ihn der Drache an
Der Bär hielt den zornigen Blicken stand, die ihnfür sein langes Verschwinden straften.
„Ich habe die Seele gesucht, die am anderen Ende des Fadens auf dich wartet. „ sagte er.
Der Blick des Drachen wechselte ungläubig zwischen den beiden Fäden an seinen Handgelenken hin und her.
„Es ist deine eigene Seele. Du bist auf der Suche nach dir selbst. Es ist ein Kreislauf. Der Anfang sucht immer nach seinem Ende .
Der Drache starrte dein pelziges Gegenüber mit offenem Mund an. Als spielte sich direkt vor seinen Augen ein Wunder ab.
Auch Bären konnten denken.
„Wo bist du gewesen.“, fragte er mit sanfter Stimme. Sein Zorn war verraucht.
Der Bär lächelte
„Ich bin dem Faden gefolgt. Er hat mich zu deiner Seele geführt.
„Bären und Drachen suchen einander nicht.“, wehrte sich der Drache.
„Ich habe dich nicht gesucht.“, antwortete der Bär.
„Ich habe dich gefunden.“
„Dagegen sind mir wohl die Hände gebunden.“ erwiderte der Drache mit Blick auf die Fäden an seinen Handgelenken und drückte seine Nase gegen die haarige Schnauze des Bären.