Der Mann im Mond

Der Vater des Fräuleins „So-La-La“ war von morgens bis abends ein vielbeschäftigter Mann.
Wenn ihn der Wecker aus dem Schlaf klingelte,  wartete bereits Unaufschiebbares darauf, von ihm gelesen, unterschrieben oder in dicken Aktenordnern abgelegt zu werden.
Er hatte keine Zeit zu verlieren. Denn in seinem Büro wuchs die Arbeit schneller als  das Gras auf der Wiese.  
Ungeduldig warteten die Aktenberge, die er zu erledigen hatte, auf sein Eintreffen.
Ständig herrschte ein wildes Gedränge und Gezerre unter  ihnen.  Selbst die allerkleinste Arbeit behauptete,  von allerhöchster Dringlichkeit zu sein.  Keine  wollte vor einer anderen zurückstehen.   Jede drängte darauf,  ganz oben auf der Liste gereiht zu werden.
Schon beim Aufwachen gehörten die ersten Gedanken ihnen.
Schief und verbogen schleppte sich der Vater ins Bad, wo ihn bereits das Bürogesicht mit vorwurfsvollen Blicken erwartete. Es  war ernst und blass. Auf der Nase hatte es eine dicke Hornbrille sitzen.  Und auf der Stirn zeichneten sich tiefe  Falten ab. 
Obwohl ihm der Vater jeden Morgen die Bartstoppeln rasierte und die Haare frisierte, blieb es bis weit in den Tag misslaunig. Selten rutschte ihm vor dem Mittagessen ein Lächeln über die Lippen.
Trotz seiner Anstrengungen führte der Vater  einen aussichtslosen Kampf.  
Die Aktenstöße  auf seinem Schreibtisch wuchsen unaufhaltsam an. Waren alle Zahlenkolonnen durchgerechnet, warteten   bereits zwei neue auf ihn.  
An keinem Tag schaffte er es,  die Aktenberge, die sich vor ihm hochtürmten,  zur Gänze  zu erledigen.
Bevor er das Büro verließ,  verstaute er das Unaufschiebbare  in seiner Aktentasche.   Gleichzeitig kündigten  ihm die  auf dem Schreibtisch zurückgelassenen Arbeiten furchtbare Rache an.
Dann läutete   spät nachts das Telefon, das den schlaftrunkenen Vater an den Schreibtisch befahl.   Oder es platzte  eine dringende Nachricht   im Postfach seines  Computers auf, die eine sofortige Beantwortung verlangte.   

Die hartnäckigsten unter den  Störenfrieden standen  an den Wochenenden  unangekündigt in der Tür. 
An diesen Tagen musste das Fräulein „So-La-La“ auf  Zehenspitzen durch das Haus schleichen und durfte nur mit gedämpfter Stimme reden. Außerdem wurden für die Dauer ihres Aufenthaltes  alle Ausflüge und sonstigen Vergnügungen abgesagt.  
Trotz des Eifers, mit dem Vater seine Arbeit erledigte, erschloss sich dem Fräulein „So-La-La“  ihr Nutzen nicht.   Sie schien keinerlei Bedeutung zu haben. Durch seine Rechenkolonnen regnete kein einziger Tropfen vom Himmel. Auch sonst trugen sie nichts zur Weltordnung bei.
Wenn er bei Einbruch der Dämmerung die Stufen zur Dachkammer hochstapfte, tropfte ihm der Schweiß von der Stirn, als lastete ein tonnenschweres Gewicht auf seinen Schultern. Obwohl er den ganzen Tag lang nichts weiter zu tun hatte als Zahlen auszurechnen,  für die sich niemand interessierte, war sein Rücken krumm wie ein schief gewachsener Baum.
Das traurige Schauspiel, das er Abend für Abend bot, versetzte dem Fräulein „So-La-La“ einen Stich ins Herz. Der Gedanke, die Tochter eines dünnarmigen Buchhalters mit Schweißflecken unter den Hemdsärmeln zu sein, erschreckte sie.
Die Mutter zog jeden Morgen die Sonne über dem Horizont am Himmel hoch sah dabei aus wie  frisch geschminkt.  Ihre Arbeit stand jeden Tag in der Zeitung. Sie flimmerte über alle Bildschirme. Die Leute auf der Straße und in den Büros redeten manchmal über nichts anderes. Denn wie ihre Laune wurde auch das Wetter. Entdeckte sie morgens im Spiegel eine unerwünschte  Falte in ihrem Gesicht,  peitschte  ein kalter Wind gegen die Fensterscheiben.  War sie traurig, regnete es aus allen Wolken.  Lachte sie beim Frühstück,  strahlte den ganzen Tag die Sonne vom  Himmel.
Der Vater schaffte es nicht einmal,  seine Aktentasche zwei Stockwerke hinaufzutragen, ohne dass sich  sein Gesicht zu einer roten Tomate verfärbte. Überhaupt stellte die übertriebene Fürsorge, die der Vater seiner Aktentasche widmete, das Fräulein „So-La-La“  vor  ein Rätsel.  Rein äußerlich besaß das unansehnliche Ding keinerlei Wert.  Das verbeulte Leder  glänzte  speckig.  Die Ecken waren abgestoßen. Und an den   Metallschnallen fraß der Rost. 

Trotzdem wachte er mit Argusaugen über seine Aktentasche. Tagsüber begleitete sie ihn ins Büro. Während des Abendessens stellte er sie zwischen seinen Beinen unter dem Tisch ab. Meist war es die Mutter, die seine Mahlzeiten abrupt beendete.
„Es dämmert bereits.“, wies sie den Vater allabendlich auf eine Alltäglichkeit hin, mit der jeder Tag zu Ende ging.
Kaum hatte er seinen Teller leer gegessen, schleppte er sich mit der Aktentasche im Arm über die Treppe zur Dachkammer hoch.
Über den Inhalt der Tasche äußerte sich der Vater wortkarg.
„Langweiliger Bürokram.“, brummelte er ausweichend.
Merkwürdigerweise beklagte sich die Mutter sich mit keinem Wort über die endlosen  Stunden, die der Vater alleine in der verriegelten Dachkammer saß.
Ohne Murren übernahm sie nach dem Abendessen den Abwasch.
Manchmal ertappte sie das Fräulein „So-La-La“, wie sie mit sorgenvoller Miene aus dem  Fenster blickte und das Geschehen am Himmel beobachtete.
In den Nächten, die der Vater mit seinem ernsten Bürogesicht in Dachkammer zubrachte, tröstete  sie sich mit dem Anblick des Mondes,  der in ihrem Fenster auftauchte.
„Wräe mien Vaetr so  zuverlsäsig wie er.“, seufzte das Fräulein „So-La-La“  beim Anblick der blassen Scheibe.
Im Gegensatz zu dem Mond, der der sie jeden Abend besuchte, verbrachte der Vater seine Zeit lieber damit, langweilige Rechenkolonnen in den Computer zu tippen. Oft wurde es  Mitternacht, bis das Licht in der Dachkammer erlosch und der Vater  die Treppe herunter stieg.
Wochen und Monate vergingen im selben  Trott. Die Mutter  brütete  in der Küche  das Wetter für den kommenden Tag aus.    Der Vater rechnete   in der Dachkammer bis tief in die Nacht  an seinen Rechenkolonnen.
Nachts  leuchtete  der Mond  durch das Fenster, um den Schlaf des Fräuleins „So-La-La“ zu bewachen. Noch immer schöpfte sie keinen Verdacht.
Sie hatte sich schon abgefunden, ihre Nächte in der Gesellschaft einer blassen Scheibe zu verbringen,als das Schicksal unangekündigt seine Rezeptur änderte.

Unter den staunenden Augen des Fräuleins „So-La-la“ mischten sich plötzlich ein dringender Aktenvermerk, ein Vorzimmerdrache und ein schwarzes Loch am Himmel unter die Zutaten.
Wie jedes Verhängnis auch dieses mit einer Verspätung an.
Ein unaufschiebbarer Aktenvermerk zwang den Vater bis zum Einbruch der Dunkelheit im Büro auszuharren.
An diesem Abend  wurde nicht nur das Essen auf dem Tisch kalt.  Mit fortschreitender Uhrzeit kühlte auch die Laune der Mutter auf den Gefrierpunkt ab.
Ihr Ärger hatte wenig  mit dem Schweinebraten zu tun, der in der Pfanne langsam zu einem schwarzen Klumpen verschmorte.
Sie witterte eine  Gefahr, von der  das Fräulein  „So-La-La“  nicht die geringste  Vorstellung hatte.
„Bestimmt  macht ihm sein neuer  Vorzimmerdrache schöne Augen.“,  tobte die Mutter in Windstärke zehn.
Das Fräulein  „So-La-La“  streckte den Kopf unter dem Küchentisch hervor.  Sie hatte noch nie von einem solchen Tier gehört.
„Ist ein  Vorzmimerdarche  gefärhlich?“, fragte sie interessiert.  
Die Mutter schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, dass die Teller klirrten.
Eine neue Sekretärin stellt immer eine Bedrohung dar.“,    fauchte  sie.   
Das klatschende Geräusch, mit dem ihr Geduldsfaden entzwei riss, hallte wie ein Peitschenknall  durch den Raum.
Sofort ging das Fräulein  „So-La-La“ wieder  unter  dem Küchentisch auf Tauchstation.
Mit welchem Ungeheuer es Vater im Büro auch immer zu tun hatte?  Gegen die Bedrohung, die sich in der Küche  über seinem Kopf zusammenbraute,  war es ein harmloses Streicheltier.
Als sich die  Fensterscheiben  schwarz färbten,  verwandelte sich die Mutter in eine endgültig in eine Furie.
„Das ist das Ende.“, schrie sie.
Wilde Verwünschungen gegen den Vater ausstoßend, sprang sie vom Küchentisch hoch. Unter Gepolter räumte sie alle verfügbaren Töpfe aus den Regalen hervor und hielt sie unter die aufgedrehte Wasserleitung, bis das Wasser über die Ränder schwappte. Danach drehte sie die Herdplatten hoch.

Wenig später brodelte es heiß aus  den Töpfen.
Eine riesige  Dampfwolke nebelte den Raum ein, dass man die Hand nicht mehr vor Augen sah. 
Als der Nebel zum Schneiden dick wurde,  riss die Mutter das Küchenfenster sperrangelweit auf. Ein heftiger Windstoß pfiff herein und zog  heißen Dampf zur auf die Straße.
Innerhalb von Sekunden  verschwand der  Himmel in einer grauen Nebelsuppe.
Nach einer kurzen Verschnaufpause,  wiederholte  die Mutter   das Verfahren.
Im Minutentakt kochte  und dampfte es auf ihren Herdplatten.   
Über den Dächern der Vorstadt begann sich eine  dichte Nebelwand zu legen.
Fassungslos beobachtete das  Fräulein „So-La-La“   das Getöse, das die Mutter mit ihren Wassertöpfe veranstaltete, als würde das Schicksal der Welt von den Bürozeiten des Vaters abhängen.
Ihr Zeigefinger  juckte bereits nervös,  als die Türglocke anschlug.
Der Blick der Mutter wanderte kurz zur  Uhr hoch.   Ihre Pupillen funkelten wie geladene Kanonenrohre.  
Als sich die Glocke zum dritten Mal meldete, drehte die Mutter den Wasserhahn ab. Langsam schritt sie zur Tür hinaus. Dass sie den bis zum Rand gefüllten Wassertopf in den Händen hielt, verhieß dem Fräulein „So-La-La“ wenig Gutes.
Nach einem kurzen Wortgefecht im Vorzimmer überschlugen  sich die Ereignisse. Ohne Vorwarnung ergoss sich ein Wasserschwall in das Gesicht des Vaters. Dieser entwickelte angesichts leeren Topfes, den die Mutter nunmehr drohend über dem Kopf schwang, Bärenkräfte. Mit der Aktentasche in der Hand stürzte mit er die Treppe zur Dachkammer hoch.
Der leere Topf, den ihm die Mutter unter wildem Geschimpfe  hinterher warf, sauste um Haaresbreite über ihn hinweg.
Der  Knall,  mit dem die schwere Feuertür des Arbeitszimmers ins Schloss fiel,   setzte ihrem Wutanfall vorerst ein Ende.  

Mit hochrotem Kopf  rauschte sie  in die Küche zurück.   Kurz darauf setzte  ein Klirren und Scheppern ein.
Fassungslos  musste das  Fräulein „So-La-La“  mitansehen  wie die Mutter begann, das Küchengeschirr gegen die Wand zu schmeißen. Die Mutter schoss aus allen Rohren.  
Um nicht von den herumfliegenden Scherben getroffen zu werden, floh das Fräulein „So-La-La“ aus der Küche und verbarrikadierte sich in ihrem Zimmer.   
Ein Blick aus dem Fenster öffnete ihr die Augen für das wahre Ausmaß der Katastrophe, die in dieser Nacht die Welt heimsuchte.
Ein aufziehender Gewittersturm  hatte  die    Anstrengungen der Mutter zunichte gemacht und die mühsam fabrizierte Nebelwolke in dünne Fetzen gerissen.
Was dahinter zum Vorschein kam, ließ das Fräulein „So-La-La“ erschaudern. Auf einmal wurde ihr klar, was die Mutter mit mithilfe ihrer Wassertöpfe zu verschleiern versucht hatte.
„Wo ist er?“, schrie sie entsetzt auf. 
Ihr Aufschrei galt nicht der Sorge um das Wohlbefinden   des Vaters.
Sie hatte eine viel größere Gefahr entdeckt.
An der Stelle, wo  jeden Abend die blasse Scheibe des Mondes am Himmel leuchtete, klaffte ein riesiges  Loch.
Auf einen Schlag fügten sich die einzelnen Puzzleteile zu einem ganzen Bild zusammen.
Wenn am Abend die  Sonne hinter dem Horizont versank, trat der Mond an ihre Stelle und füllte die Lücke am Himmel. 
Warum hatte sie nicht eher daran gedacht?,  ärgerte sich das  Fräulein „So-La-La“ über ihre eigene Blindheit.
Es hatte sich alles direkt vor ihren Augen abgespielt. Und sie hatte es trotzdem nicht gesehen.
Ihr Vater war nicht der dünnarmige  Buchhalter, der er vorgab zu sein. Die endlosen Rechenkolonnen, die er in seinen Computer eintippte, waren ein geschickt ausgedachtes  Täuschungsmanöver.    Wie auch die  Dachkammer einem anderen Zweck diente, als es den Anschein hatte.  
Satz für Satz reimte sich das Fräulein „So-La-La“ zusammen, was sich in den Nächten hinter der verriegelten Eisentür abspielte.

Bei Sonnenuntergang stieg der Vater auf den Schreibtisch und öffnete das Fenster. Mit der Aktentasche, in der er tagsüber den Mond aufbewahrte, stieg er auf das Dach. Von dort kletterte im Schutz der Dunkelheit die   Fernsehantenne   hoch.
Nun war es dem Fräulein „So-La-La“ kein Rätsel mehr, warum  ihrem    Vater   die Schweißperlen von der Stirn tropften,  wenn er die Aktentasche die Treppe hinauf zur Dachkammer schleppte.
Er schleppte  das schwerste Gewicht der Welt die Stufen hoch.
Wie  unmöglich   hörte sich diese Geschichte an? , platzte das Fräulein „So-La-La“ beinahe vor Stolz.
Sie hielt es keine Sekunde länger aus, das Geheimnis für sich zu behalten.
„Ich hbae die bseten  Etlren der Wlet.“,    posaunte sie ihrer Lieblingspuppe prahlerisch ins Ohr.
Mit keinem Wort erwähnte sie ihr gegenüber das Drama, das die Mutter in der Küche veranstaltet hatte.
Der Lärm eines aufschlagenden Fensters im Dachgeschoss katapultierte das Fräulein „So-La-La“ in die Wirklichkeit zurück.   
Schlagartig wurde dem Fräulein „So-La-La“ klar, warum die Mutter den Vorzimmerdrachen, der sich im Büro des Vaters eingenistet hatte, als Gefahr betrachtete. Er hielt ihn davor ab, seinen Schraubarbeiten am Himmel pünktlich nachzukommen.
Nun musste er im Sturmgewitter das Äußerste wagen, um zu verhindern, dass die Nacht schwarz wie Kohle blieb.
Das Fräulein „So-La-La“ graute bei dem Gedanken, was geschehen würde, wenn es ihm nicht gelang, den Mond rechtzeitig am Himmel festzuschrauben. Tausende Nachtschwärmer würden  orientierungslos durch die Straßen irrten, unzählige Liebespaare sich für immer aus den Augen verlieren und die  Lebensmüden am Himmel vergeblich nach einem Trost suchen.
Diese Gefahr hatte das Fräulein „So-La-La“ vor Augen, als sie mit ihrem Vater mitfieberte, der in diesen Minuten mit einem schweren Schraubenschlüssel in der einen und der Aktentasche in der anderen Hand an den seitlich abstehenden Streben der Antenne hoch kletterte.
Sie konnte es förmlich spüren, wie er Mühe hatte, das Gleichgewicht zu halten. Der Regen  peitschte ihm ins  Gesicht.  Bei jeder Bewegung schwankte   der dünne Mast nach allen Seiten. 

Sprosse für Sprosse  kämpfte  sich  der Vater dem schwarzen Loch über seinem Kopf  entgegen. Sein Rücken krümmte sich unter dem Gewicht der Aktentasche.    
Endlich hatte er die  Spitze erreicht.   Tollkühn   balancierte er  auf der schwankenden Antenne. Trotz seiner klammen Finger gelang es ihm, die Schnallen  der Aktentasche zu öffnen.    Vorsichtig  zog er  die runde Scheibe des Mondes heraus. Mit gestreckten Armen hievte er sie in die Umlaufbahn.
Die Welt hielt den Atem an. Schon eine falsche Bewegung  konnte den Vater samt seiner kostbaren Fracht  ins Verderben stürzen lassen.   
Ungeachtet dieser Gefahr bugsierte er die Scheibe zielsicher an ihren Platz. Mit geübten Handgriffen  fixierte er  die Schrauben. Schließlich zog er ein Taschentuch aus seiner Hose und polierte den Mond blank, damit keine  verräterischen Fingerabdrücke zurückblieben.
Nachdem die letzte Schraube festgezogen und der letzte Fettfleck wegpoliert war, machte sich der Vater auf den Rückweg. Langsam kletterte er den Antennenmast hinunter. Der Mond über seinem Kopf am Himmel leuchtete ihm den Weg.
Die Nacht hatte ihren Schrecken verloren.   Die Nachtschwärmer gelangten  sicher nach Haus.  Die Liebespaare strahlten einander glücklich an.   Und die Lebensmüden fassten neuen  Mut.
Ein Blick aus dem Fenster zerstreute den allerletzten Zweifel. Das schwarze Loch am Himmel war verschwunden.  Der Mond strahlte hell auf die Erde herab.  
Im Mondlicht sah das Fräulein „So-La-La“ wie sich plötzlich die Tür zu ihrem Zimmer öffnete. Eine geduckte Gestalt huschte herein.
Im letzten Moment verschluckte das Fräulein „So-La-La“ den Schrei, der ihr auf den Lippen und schlang erleichtert die Arme um den Hals des Vaters.
Es erfühlte sie mit Stolz, die Tochter des Mannes zu sein, der mit den wichtigsten Schraubarbeiten der Welt betraut war.
Als sie den Kopf an seine Brust legte,   hörte sie  sein Herz schlagen.  Es schlug mit der Kraft  eines Löwen.   
Nie  fühlte sich   das Fräulein „So-La-La“  nie  besser behütet   als in diesem Augenblick. Sie lag in den Armen des mutigsten aller Väter.   
Wenn er mit dem Mond in den Händen auf der Spitze der Antenne balancierte und auf die Erde hinunter blickte, war niemand  größer und stärker als er.

ENDE.