Der Bauer und der Esel

Es war einmal ein übermütiger Esel,  der mit seiner Zeit nichts Besseres anzufangen wusste, als  mit den Hufen nach allen Seiten auszuschlagen.
Auf der Weide, wo er seine Tage verbrachte, richtete er mit seinen verrückten Späßen keinerlei Schaden an.
Der Bauer verschwendete daher keinen Gedanken über die seltsame Angewohnheit seines Esels.
„Was soll ich mir über die  Eigenheit eines Esels den Kopf zerbrechen.“,  dachte er und kümmerte sich wieder um seine eigenen Geschäfte.    
Aber die Leute, die an dem Esel vorüber liefen, setzten ernste Mienen auf.  Sie fanden das Verhalten für einen Esel ungehörig. Also gingen sie zu seinem Besitzer und empfahlen ihm mit hochgezogenen Augenbrauen, gestreckten Zeigefingern und mitleidigen Stimmen, das wilde Tier in den Stall zurückzubringen, bis es sich beruhigt hätte. Weil der Bauer ein geduldiger Mensch war, der es sich mit seinen Nachbarn nicht verderben wollte, folgte er ihrem Ratschlag.
Dem  Esel wollte  die Vorstellung,  am helllichten Tag  in einem dunklen Stall stehen zu müssen,  ganz und gar nicht gefallen.  Der Bauer hatte Mühe,  ihm Herr zu werden.
Die Hufe des Esels sausten wie Hammerschläge auf ihn herein.
Am ganzen Körper von blauen Flecken gezeichnet, gelang es dem Bauern schließlich, das rasende Tier in seinen Verschlag zu zwingen.  Dort kannte der Esel kein Halten mehr. Außer sich vor Wut schlug er den Stall  kurz und klein.
Danach war er endlich müde geworden. Friedfertig stand er auf wackeligen Beinen zwischen den Überresten seiner einstigen Behausung.
Der Bauer aber, der die  Huftritte   in allen Knochen spürte, stapfte wütend davon.
„Was bin ich dümmer als mein Esel.“, fluchte er. 
Der Esel  war schon als Esel geboren.  Es stand ihm frei, sich als solcher zu benehmen. 
„Der Luft auf der Weide schadet es nicht, wenn ein Esel  mit seinen Hufen gegen sie ausschlägt.“, jammerte der Bauer, den ein schlechtes Gewissen plagte. 
Nie wieder würde er auf das Gerede der Leute  hören. Es hatte  ihm nichts wie Unheil eingebracht.
Über Wochen schmerzte ihn jeder Knochen im Leib.  
Und  ein neuer Stall musste gebaut werden, in dem dann ein misstrauischer Esel sein Zuhause hatte, der wild und bockig bleiben würde bis ans Ende seiner Tage.

ENDE