Die Ameise, die den Himmel umarmen will

Illustration Fräulein „So-La-La“ Sophie S.

Es war einmal eine Ameise, die auf einem Grashalm ein eintöniges Leben fristete.
„Wie herrlich muss es sich anfühlen, den Himmel zu berühren.“, seufzte die Ameise beim Anblick einer hundertjährigen Eiche , die am Rand der Wiese ihre Äste bis zu den Wolken hochstreckte.
Als ihr klar wurde, dass sie niemals in den Himmel wachsen würde, fasste die Ameise einen Entschluss.
„Den Himmel zu umarmen, lohnt jede Mühe.“, sagte sie sich und kletterte an dem mächtigen Stamm der Eiche hoch.
Es wurde eine lange Reise. Je mehr Höhe sie gewann, desto bedrohlicher schwankten die Äste im Wind. Mehrere Male geriet die Ameise in Gefahr, in die Tiefe zu stürzen. Trotzdem rückte sie nie von ihrem Ziel ab.
„Ich werde im Himmel erwartet.“, schlug sie alle Warnungen beiseite und setzte unbeirrt ihren Weg fort.
Unter unendlichen Entbehrungen erreichte sie die Spitze des letzten Astes. Erwartungsvoll streckte sie sich in die Höhe, um den Himmel zu umarmen.
Im gleichen Moment flog ein Vogel aus seinem Nest und pflückte die Ameise wie eine reife Frucht vom Baum.
Was war die bessere Wahl?, erschauderte das Fräulein „So-La-La“ an dem traurigen Ausgang der Geschichte.
Nichts zu tun? Oder alles zu wagen?
Hätte die Ameise auf ihrem Grashalm ausgeharrt, wäre sie dem hungrigen Schnabel des Vogels wohl entkommen.
Aber dann wäre sie auch dem Himmel niemals so nahe gekommen.

ENDE