Die Geschichte von der Zuversicht

Diese Geschichte erzählt, wie das Fräulein „So-La-La“ lernte, sich nicht vor der Zukunft zu fürchten.
Die Nachrichten  verlauteten nichts Gutes in diesen Tagen. Aus allen Fernsehkanälen dröhnten die gleichen  Botschaften.
Die Welt war mitten im Jahr  stehen geblieben. 
Auf den Straßen fuhren keine Autos. Die Fabriken und Geschäfte waren  geschlossen. Die  Klassenzimmer der Schulen blieben leer.  In  den  Cafés und Gaststuben war das Stimmengewirr verstummt. Ein Virus verteilte seine tödliche Fracht in den Städten und Dörfern und zwang die Menschen in ihren Wohnungen und Häusern auszuharren.
Der Gedanke für immer ohne Küsse und Umarmungen  bleiben zu müssen,  raubte  dem Fräulein „So-La-La“  jeden Mut.
„Ich habe Angst.“,  schluchzte sie die Bluse der Mutter nass.
„Die Nachrichten sind wie sie sind.  Man kann sie nicht ändern.“, tröstete sie die Mutter.
„Aber wenn die Furcht zu übermächtig  wird,  tut es gut, von Zuversicht der Tiere zu wissen.“ 
Das Fräulein „So-La-La“ geriet ins Grübeln.  Darüber hatte sie noch nicht nachgedacht.  
Die Tiere waren ihrem Schicksal wehrlos ausgeliefert.  Sie besaßen kein sicheres Dach über den Kopf.  Sie hatten keine Krankenhäuser und keine Supermärkte.
Trotzdem  flogen die Schmetterlinge morgens sorglos zum Himmel hoch.  Die Fische folgten der Strömung, ohne sich davor zu fürchten, in einem Netz zu enden.  Und die Mäuse verschwendeten keinen Gedanken an den Jäger, der ihnen im Nacken saß.
Sie vertrauten dem  nächsten  Augenblick.  Und  ihre Zuversicht gab ihnen recht.
Nicht jeder Schmetterling  hauchte sein Leben im Schnabel eines  Vogels aus. Nicht alle Fische wurden mit Netzen aus dem Wasser gezogen.
Und die meisten Mäuse entkamen dem Hunger der Katzen.
Das Fräulein „So-La-La“  wischte sich die  Tränen aus den Augen.
Wenn sich die Tiere nicht vor der Zukunft  fürchteten,  musste sie es auch nicht tun.  
Eine nie gefühlte  Gewissheit  durchströmte sie  und  malte das Leben  in den schönsten Farben.  
Als sie ihre Arme ausbreitete, verwandelten, sie sich in die Flügeln eines Schmetterlings, der federleicht in der Luft schwebte.  Ihre Beine zuckten aufgeregt wie die Schwanzflossen eines Fisches,  der durch die Wellen tauchte.   Und in ihrer Brust schlug  das tapfere Herz einer Maus, die vor jeder Katze einen Haken schlug.                                       

ENDE.