Die Kreuzung

Wie sollen wir Freunde sein können?“, fragte der Drache, als er einem Bären begegnete.
„Ich kenne keinen Drachen, der einen Bären zum Freund hat.“
„Du hast recht.“, antwortete der Bär.
„Ich weiß auch von keinem Bären, der mit einem Drachen befreundet ist.
Ein kurzes Schweigen entstand zwischen ihnen. 
Der Bär trank einen Schluck aus seiner Trinkflasche.  Der Drache züngelte eine kleine Flamme aus.
Sie schienen zu überlegen.
„Wir könnten es zumindest versuchen“, machte der Bär den Anfang.
„Es wird schwierig.“, antwortete der Drache.
„Ich spucke Feuer.“
Der Bär nickte traurig.
„Und ich gehe leicht in Flammen auf.“, seufzte er. 
„Wir könnten zusammen etwas trinken.“, sagte der Drache mit Blick auf die Trinkflasche des Bären.„Das Trinken löscht mein Feuer.“
„Das Wasser erstickt jeden Funken in mir.“, antwortete der Bär.
„So könnte es funktionieren.“, erwiderte der Drache und stellte zwei Gläser auf den Tisch.
Sie tranken lange miteinander.  Und nichts passierte.
Der Drache spuckte kein Feuer.  Und der Bär ging nicht in Flammen auf.
Als das letzte Glas leer getrunken war,  erhob sich der Drache.
„Ich muss jetzt weiterziehen.“, sagte er.
„Ich werde auch erwartet.“, antwortete der Bär .
Sie sahen sich lange in die Augen. 
„Werde ich Dich wiedersehen?“,  wagte es der Bär zu fragen.
„Wenn ich eines Tages  an eine Kreuzung komme, an der ich deine Spuren sehe, werde ich dort auf dich warten.“, antwortete der Drache.
„Dann mache ich mich jetzt auf den Weg.“, verabschiedete sich der Bär und eilte los.
„Wohin gehst du?“,  rief ihm  der Drache hinterher. Der Bär warf ihm einen letzten Blick zu. Es glänzte  ein winziger Funke darin.
„Ich suche die Kreuzung, an der wir uns wieder begegnen.“, antwortete er,  bevor er hinter der Biegung des Weges verschwand.   

ENDE.