Wer ist Fräulein „So-La-La“?

Einen wunderschönen guten Tag. Wer Sie auch sein mögen? Was immer Sie hierher geführt hat?
Seien Sie mir willkommen. Ich freue mich über jeden Gast, der mir etwas Gesellschaft leistet.
Vielleicht schenken Sie mir die Gelegenheit, Ihnen die Geschichte des Fräuleins „So-La-La“ in wenigen Worten zu schildern.
Keine Angst, Sie müssen nicht auf die Uhr blicken. Es dauert nicht lange.
Ich werde mich bemühen, Ihre kostbare Zeit nicht unnötig zu strapazieren.
Wer das Fräulein „So-La-La“ ist? Nun, Sie kennen sie nicht. Denn sie ist erst vor Kurzem zu ihrer Reise aufgebrochen.
Aber ich garantiere Ihnen, wenn Sie ihre Geschichte gelesen haben, wird sie für lange Zeit in Ihrem Kopf bleiben. Warum ich das weiß? Weil es mir genauso ergangen ist.
An die erste Begegnung mit ihr kann ich kaum mehr erinnern. Das muss Jahre zurückliegen. Sie tauchte irgendwann aus dem Nichts in meinem Kopf auf. Zuerst genügte es ihr, in meinen Gedanken herumzuspuken.
Als ich dann angefangen habe, sie aufzuschreiben, hat sie ihre Meinung rasch geändert.
Sie hat plötzlich angefangen, ihre Nase etwas oben zu tragen.
Sie wäre sich für die Schublade zu schade, hat sie mich großspurig wissen lassen.
Sie möchte die Welt kennen lernen. Und die Menschen.
„Ich möchte eine Geschichte sein, die um die Welt reisen.“
Sie können sich wohl meine Begeisterung über diese Idee wohl lebhaft vorstellen. Wie sollte es ausgerechnet mir gelingen, ihr die Welt zu zeigen.
„Das wird etwas schwierig sein.“, habe ich versucht, ihr die Wahrheit schonend beizubringen.
„Meine dichterischen Fähigkeiten sind beschränkt.“
Da hat sie mich von der Seite streng angeschaut. Ich spüre heute noch ihre Blicke an mir. Das Misstrauen, mit dem mich von oben bis unten gemustert hat, war förmlich greifbar.
Schließlich hat sie die vollgeschriebenen Blätter von meinem Schreibtisch genommen und angefangen, darin zu lesen. Was soll ich Ihnen sagen. Ihre Miene hat sich zusehends verfinstert.
Als sie fertig war, hat sie aufgeschaut zu mir und gesagt:
„Du hast recht. Es wird schwierig. Es wird sogar sehr schwierig.“
Mir wurden die Knie weich. Ich glaubte schon alles verloren. Zu meiner Überraschung kündigte sie jedoch an, dass sie es trotz aller Bedenken mit mir versuchen möchte.

Bitte ziehen Sie jetzt keine falschen Schlüsse daraus. Ihre Wahl fiel deshalb auf mich, weil sie in der Eile keinen Besseren fand, der bereit war, ihre Geschichte aufzuschreiben.
Das war mein großes Glück.
Es gibt mir die Gelegenheit, Ihnen und allen anderen Besuchern die Geschichte von Fräulein „So-La-La“ vorzustellen.
Natürlich ist es mir in der Kürze der Zeit, nicht möglich, alle Einzelheiten zu schildern. Daher begnüge ich mich mit einem kurzen Überblick.
Wenn ihnen gefällt, was Sie zu hören bekommen, sind Sie herzlich eingeladen, in den weiteren Geschichten auf dieser Seite zu stöbern.
Kommen Sie, wann immer Sie Lust haben, um das Fräulein „So-La-La“ zu treffen. Sie freut sich über jeden, der ihr ein kurzes Stück auf ihrer langen Reise Gesellschaft leistet..
Vielleicht erzählen Sie anderen von der Begegnung mit ihr. Oder noch besser, nehmen sie ihre Freunde gleich mit.
Das würde dem Fräulein „So-La-La“ am Allerbesten gefallen. Sie liebt es nämlich, neue Gesichter kennen zu lernen.
Ihre Geschichten handeln vom Sein und vom Schein. Sie sind zumeist heiter. Manche unter ihnen klingen etwas nachdenklicher. Aber keine Sorge. Bei allem Ernst überwiegen die hellen Töne.
In ihrer Länge sind die Geschichten kürzer als lang und länger als kurz. Aber sie sind hoffentlich niemals langweilig geraten.
Es sind keine Kindergeschichten. Es sind auch keine Erwachsenengeschichten.
Manche sind als Geschichten für Erwachsene in Begleitung ihrer Kinder gedacht. Andere als Geschichten für Kinder in der Gesellschaft ihrer Eltern. Das Urteil darüber überlasse ich Ihnen.
Ich beginne am Besten mit der Rollenaufteilung.
Da ist einmal der Vater. Er gibt vor, ein Buchhalter zu sein. In Wahrheit ist er mit den wichtigsten Schraubarbeiten der Welt beauftragt.
Die Mutter scheint eine Krankenschwester zu sein. Allerdings zieht sie jeden Morgen die Sonne über dem Horizont zum Himmel hoch. Wenn sie mich fragen, eine etwas eigenartige Beschäftigung für eine Krankenschwester.

Für die Großmutter muss ich mich gleich vorweg entschuldigen. Sie neigt zu gewissen Verhaltensauffälligkeiten. Sie trinkt und raucht. Das gehört nicht unbedingt zu den Angewohnheiten, die man von einer Großmutter erwartet. Außerdem verbirgt sie ihre wahre Natur vor den Augen der Welt.
Dann spielt auch noch eine Puppe eine Rolle, deren Ohren tiefer gehen als die tiefsten Brunnen. Was man dort hinein flüstert, findet nie wieder ans Tageslicht zurück. Kein Wunder, dass das Fräulein „So-La-La“ nicht nur das Bett sondern auch alle Geheimnisse mit ihr teilt.
Natürlich treiben sich auch einige zwielichtige Gestalten in der Geschichte herum.
Das sind die schulmeisterlichen Mienen, die uns das Leben so schwierig machen. Die gestreckten Zeigefinger, die alles besser wissen. Die hochgezogenen Augenbrauen, die an nichts und niemandem ein gutes Haar lassen. Es treten auch die mitleidigen Stimmen vor den Vorhang, deren Mitleid meist seltsam schadenfroh klingt.
Natürlich steht das Fräulein „So-La-La“ im Mittelpunkt im Geschichte.
Auf den ersten Blick unterscheidet sie sich wenig von anderen Mädchen, deren Alter sich an den Fingern einer Hand abzählen lässt. Sie ist dünn wie eine Scheibe Brot, wiegt weniger als ein Sack Hühnerfeder und kann aufrecht unter dem Küchentisch stehen, ohne mit dem Kopf anzustoßen. Also richtig groß ist sie nicht. Aber sobald sie den Mund öffnet, erscheint sie riesig. Denn dann verwandelt sich ihre Zunge in einen verrückten Clown und bringt sie in die schlimmsten Verwicklungen.
Aber am Besten lassen Sie sich einfach überraschen von ihren Geschichten.
Nun ist es Zeit, mich von Ihnen zu verabschieden. Ich lasse Sie mit dem Fräulein „So-La-La“ und ihren Geschichten allein.
Seien Sie nachsichtig mit den inhaltlichen und stilistischen Unzulänglichkeiten, die sie bei ihr entdecken. Das Fräulein „So-La-La“ trifft keine Schuld daran. Die Verantwortung liegt allein in meinen begrenzten Fähigkeiten, ihren Ansprüchen gerecht zu werden.
Vielleicht findet sich Gelegenheit, mir zu schreiben, an welchen Orten Ihnen das Fräulein „So-La-La“ auf ihrer langen Reise begegnet ist.
Ich freue mich über jede Nachricht, die mich wissen lässt, dass es ihr gut ergeht und sie wohlauf ist.

ENDE.